PFLUGRADT,
eine Familie aus Pommern

 


 

Die Herkunftder Familie ist  wahrscheinlich das Dorf Pflugrade, nördlich von Stargard in Pommern gelegen. Für die Nachnamen war in ganz Ostdeutschland die Bezeichnung nach den Ortschaften der näheren und weiteren Umgebung der Namensträger besonders häufig und typisch. Im Jahre 1250 war der Familienname in Deutschland, bis auf wenige Regionen, überall verbreitet. Nur die Ostfriesen übernahmen das Tragen von Familiennamen erst gezwungenermaßen im 19. Jahrhundert durch den preußischen König. Aber erst Ende des Mittelalters wurde der Familienname erblich. Diese Praxis des vererblichen Namens stammt ursprünglich aus dem 10. oder 11. Jahrhundert und war in der venezianischen Aristokratie üblich. Kreuzfahrer, aus dem Heiligen Land zurückgekehrt, nahmen diesen Brauch auf und verbreiteten ihn in ganz Europa. Das Wort „Nachname“ taucht erstmalig 1370 in Dokumenten festgehalten auf.       

DerName Pflugradt : Der erste Teil des Personennamens Pflug läßt sich in den niederdeutschen  Sprachgebrauch zurückverfolgen. Sein Ursprung findet sich in der Bezeichnung „ Plog, Plaug “. Der zweite Teil Radt, stammt wohl  von „ rade “  für dasRoden. Fügt man beide Teile aneinander, könnte der Name wohl bedeuten das unsere Vorfahren ihren Namen aus der Landwirtschaft, für das Roden eines Landstückes mit dem Pflug erhalten haben. Eine zweite Deutung, nachdem der Name von dem Beruf des  Pflug und  Rade - machers herrührt, steht als zweite These noch im Raum. Früher war es gebräuchlich, zur Namensbildung auf die Berufe der Menschen Bezug zu nehmen. Als Ableitungen dieses Namens findet man z.B. Pluchradt, Plaugrade, Plogradt, Plugrahde, Puchrad, Flugradt,  usw. . Für die erste Annahme jedoch spricht auch, daß es in bestimmten Regionen durchaus üblich war, Flurstücke, nach dem Gerät, das zur Bodenbearbeitung diente, zu benennen. Beispiele hierfür: Pflugschär (Rügen), Pflugeisen (Kr. Franzburg Semlow), Pflugschart (Kr. Uckermünde Neuwarp mdl.), Pflugrade (Kreis Naugard).

 

Pflugrade

 

Pflugrade(heute Redlo, Polen), Kreis Naugard. Urkundlich wurde es bereits 1490 als deutsche Siedlung erwähnt. Im Jahre 1566legte es  Graf Ludwig von Ebersteinals  Vorwerk von Naugard an. Das Dorf liegt an der Kreuzung der Chaussee Massow-Naugard und Hohenschönau-Wangeritz. Aus der Vorzeit fand man hier in der Gemarkung Reste von Steinhämmer, ein Nachweis, daß  diese Gegend schon damals besiedelt war. In einem Verzeichnis über die Ortschaften Preußisch Pommerns nach der Kantoneinteilung von 1734 heißt es über Pflugrade, daß es 1817/1818 dort 16 Feuerstellen gab und das dort zeitweise das Dragoner-Regiment 5, 4 Eskadron  stationiert war. Pflugrade gehörte  vor 1817 zum Kreis Daber und nach 1817 zum Kreis Naugard.

1490 wurde Johannes Wegener nach Präsentation durch die Herren von Mildenitz und die Grafen von Eberstein als Pfarrer in Pflugrade und Wangeritz eingeführt. 1599 + 1607 gehörte die Pfarrei Pflugrade zusammen mit Wismar zur Grafschaft Massow. Landmarschall v. Flemming war 1666 (Pfandweise) Besitzer des Kirchspiels von Pflugrade.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DieDorfkirche , bereits 1490 erwähnt, ist ein spätgotischer Findlingsbau mit blendenverziertem Ostgiebel.  Über dem Westgiebel erhebt sich der Turm, 1844 erneuert, gebaut nach dem sogenannten „ Naugarder Schema „.1939 hatte Pflugrade 363 Einwohner (siehe auch im Anhang, bei Einwohnerlisten).

In Pflugrade gab es ein Gut. Bisher bekannt ist dessen Geschichte erst ab 1645. Bis dahin gehörte es wohl einige Zeit  den Grafen von Eberstein. Diese verpfändeten es 1650 den von  Flemmings, von denen es dann wieder anderweitig veräußert wurde. Die Einkünfte aus diesem Dorf wurden seinerzeit auf 200 Taler jährlich geschätzt. Um 1880 hieß der Gutsbesitzer Lenz.

 

In Pflugrade wurde unter anderem Friedrich Lenz ( 9.11.1846-19.8.1930) geboren. Nach dem Krieg von 1870, studierte er Bauingenieurwesen in Berlin. Danach machte er sich als Bauunternehmer selbständig. Er wurde einer der ganz Großen in Deutschland. Erbauer der Eisenbahnen in Pommern und in den deutschen Kolonien. So schuf er unter anderem die Kamerun- Mittelland- Bahn mit einer 250m langen Brücke über den Sanaga- Strom; in Togo die Bahnen von Lome nach  Atakpame, in Deutsch-Ost die Usambara- Bahn. Er baute die Bagdad-Bahn und die Schantung-Bahn im Orient. Er schuf den Plan für den Stettiner Freihafen und das Kalksteinwerk in Zarnglaff.

 


 

DerPflug

 

Bodenbearbeitungsgerät, zum Wenden, groben Lockern und Mischen des Bodens ( Pflügen):

Ist die wichtigste Art der Bodenbearbeitung zum Lockern, Wenden und Mischen des Bodens, zum Unterbringen von Dünger und Stoppelresten für den Anbau von Kulturpflanzen. Gepflügt wird besonders vor dem Winter, um die krümelnde Wirkung des Frostes auszunutzen.

Geschichte: Einfache hölzerne Hakenpflüge, welche die Erde kontinuierlich aufreißen, jedoch nicht wenden können, sind bereits seit Anfang des 3. Jahrtausend vor Christus in Mesopota- nien bekannt, während sonst der Boden allgemein  mit der Hacke aufgerissen und mit Grabestöcken Furchen für die Saat gezogen wurden. Die vermutlich ältesten Hakenpflugspuren in Mittel- und  Nordeuropa wurden unter neolith. Gräbern in Skandinavien gefunden ( um 2000 vor Chr.), etwas jüngeren Datums sind Funde im Schweizer Voralpenland. Die hier ausgegrabenen Handhaken wurden von einem „ Häker „ an den Sterzen ( Griffhölzern )geführt und von einer oder zwei Personen an einem Seil gezogen. Die bislang ältesten Nachweise über die Benutzung eines Pfluges wurden in Feddersen Wierde gefunden; anhand der Pflugspuren  kann gezeigt werden, daß der Boden nicht nur geharkt, sondern auch gewendet wurde. Diese Beetpflugtechnik fand jedoch erst wieder im 15 Jh. Verbreitung, u.a. durch die Entwicklung des Kehrpfluges. Bei der Bauweise wurden die jeweiligen Bodenverhältnisse berücksichtigt; eine Standardisierung des Pfluges fand in den Industrieländern erst Mitte des 20.Jh. statt. Die Verbreitung des Pfluges und damit des auf großen Flächen betriebenen Getreideanbaus erfuhr nach dem Zeitalter der Entdeckungen eine Ausweitung über die ganze Erde. Europäer brachten den Pflugbau in alle überseeischen Gebiete, in denen Getreideanbau  eingeführt werden konnte, und schufen damit die Grundlage für die Kornkammern der Erde. Zum ziehen der Pflüge dienten in Europa hauptsächlich Ochsen, später auch Pferdegespanne ( in anderen Regionen Kamele, Wasserbüffel und Elefanten ) und schon im ausgehenden 19. Jahrhundert Maschinen.    

 

Wo wir Pflugradt’s sind und waren